Mittwoch, 6. Februar 2013

Leseprobe "Der italienische Nachbar"


Leseprobe "Der italienische Nachbar" - Gay Romance Novelle
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Als es mir endlich gelang die Tür zu öffnen, konnte ich in Alessandros Gesicht lesen, dass ich ein urkomisches Bild abgeben musste. Mein rechter Fuß hing noch im Kleiderständer, zwei Jacken hatten sich um meinen Arm gewickelt und ich hatte das ungute Gefühl, meine Frisur glich einem Strohhaufen. Alessandros Mundwinkel begannen zu zucken, bis er schließlich laut auflachte.
„Schön, dass ich dich zum Lachen bringen kann“, murmelte ich und spürte, wie meine Wangen heiß wurden. Endlich schaffte ich es, meinen Fuß aus dem Kleiderständer zu befreien und schüttelte die Jacken ab. „Ich … ähm … das blöde Ding hat mich angegriffen, als ich die Tür öffnen wollte.“
„Aha …“, antwortete Alessandro noch immer grinsend. Wir blickten uns einige Sekunden lang stumm an, bis Alessandros Grinsen erstarb und er mich mit einer Intensität ansah, die mich frösteln ließ.
„Alles in Ordnung bei dir?“, fragte ich mit rauer Stimme und schluckte schwer. Die Luft begann zu knistern, unsichtbare Blitze zuckten zwischen uns hin und her.
Alessandro zuckte die Schultern. „Ja … nein, eigentlich nicht.“ Ein Seufzen wich aus seiner Kehle.
„Komm erstmal rein.“ Ich deutete mit einem Kopfnicken in meine Wohnung.
„Ich hab mich mit Carina gestritten.“
„Das war nicht zu überhören“, antwortete ich.
„Kann ich bei dir den Schlüsseldienst anrufen? Ich hab mich ausgesperrt.“
„Natürlich.“ Er sah so deprimiert aus, dass ich ihn in diesem Moment am liebsten in meine Arme genommen hätte. Ich holte das Telefonbuch und suchte die Nummer heraus. Unauffällig beobachtete ich ihn, während er telefonierte. Alessandro war unglaublich heiß. Er war barfuß, trug eine ausgewaschene Jeans und ein helles, eng anliegendes Shirt, das seinen muskulösen Körperbau betonte. Als er die linke Hand in seine Hosentasche steckte, spannte sich sein Bizeps an und die Sehnen seines Unterarms traten hervor. Alessandro beendete das Gespräch und fuhr sich seufzend durch das Haar. Eine dunkle Strähne fiel in seine Stirn zurück, als er mich ansah.
„In etwa einer halben bis dreiviertel Stunde kommt jemand vorbei“, sagte er zerknirscht. „Hättest du etwas vorgehabt?“
Ich schüttelte den Kopf. „Nein, ich wäre sowieso zuhause gewesen. Na komm, jetzt beruhig dich erstmal ein bisschen. Möchtest du etwas essen oder trinken?“, fragte ich. „Oder beides?“ Oder Sex?
Er lächelte und ich war nahe einer Ohnmacht. Alessandro war definitiv weder gut für meine Gesundheit, noch für meinen Verstand.
„Hast du ein Bier da?“

Als ich ins Wohnzimmer zurückkam, saß Alessandro ziemlich verloren auf dem Sofa und starrte Löcher in die Luft. Und er sah dabei so gut aus, dass ich Herzrasen bekam. Ich wollte ihn in eine Decke einwickeln, in mein Bett legen und die ganze Nacht sein Haar streicheln.
„Wie lange seid ihr eigentlich schon zusammen?“, fragte ich, während ich ihm ein Bier reichte und mich neben ihn setzte.
„Etwas über ein Jahr“, antwortete Alessandro, nickte mir dankbar zu und nahm einen Schluck aus der Flasche. Ich beobachtete sein Profil, wie sich seine Lippen an die Flaschenöffnung legten und sein Adamsapfel auf und absprang, als er schluckte. Er stellte die Flasche auf den Tisch zurück und sah mich an. „Manchmal habe ich das Gefühl, der Weg den wir gehen ist nicht derselbe. Wir sind einfach zu verschieden. Für Carina sind Dinge wichtig, denen ich keine Bedeutung beimesse und umgekehrt ist es genauso.“ Er senkte den Blick und zupfte am Etikett seiner Bierflasche. „Bis heute war sie erst zweimal bei uns in der Pizzeria. Sie behauptet, sie mag keine Pizza, aber ich weiß, dass es ihr bei uns nicht schickimicki genug ist.“
Ich sah ihn fragend an, worauf er mit den Schultern zuckte. „Carinas Eltern sind wohlhabend – eigentlich müsste sie gar nicht studieren, aber sie braucht wahrscheinlich eine Beschäftigung.“ Er rollte mit den Augen und verzog die Mundwinkel. „Sie ist einfach verwöhnt und manchmal ganz schön unterkühlt.“
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich stand kurz davor ihn zu fragen, warum er überhaupt mit ihr zusammen war. Ich spürte so etwas wie Freude und ein winziges Fünkchen Hoffnung keimte in mir auf, dass es vielleicht bald aus sein könnte, zwischen ihm und seiner bescheuerten Freundin. Alessandro schüttelte den Kopf und schnaubte. „Sie ist schrecklich eifersüchtig und denkt ich habe eine andere.“
Ich sah ihn an. „Und? Hast du?“
„Natürlich nicht!“, antwortete Alessandro entrüstet. „Du weißt doch, dass ich die ganze Zeit mit dir zusammen war.“
Ich spürte, dass ich rot wurde, meine Wangen brannten.
„Ähm … ja“, stammelte ich. Wir schwiegen eine Weile.

„Ich bin froh, dass du hier wohnst, Noah“, sagte Alessandro plötzlich. Ich sah aus dem Augenwinkel, dass er zur Zimmerdecke blickte und sich nicht rührte.
„Ich auch“, antwortete ich heiser und räusperte mich.
Und dann geschah etwas, das mich vollends aus der Bahn warf. Etwas, mit dem ich niemals gerechnet hätte.
Wie zufällig berührten sich die Außenkanten unserer Hände, Alessandros kleiner Finger streifte meinen. Mein Herzschlag verdoppelte sich und pochte hart gegen meinen Brustkorb. Einige Sekunden passierte nichts mehr, doch dann zuckte seine Hand wieder und sein Finger hakte sich bei meinem ein. Ich schloss die Augen und biss mir auf die Lippen. Verdammt was sollte ich nur tun? Das konnte doch kein Versehen mehr sein, oder? Zur Probe zuckte ich mit dem Finger und Alessandro tat es mir gleich. Ich wagte nicht, ihn anzublicken – hatte Angst, in seinen Augen nicht das zu sehen, was mir seine Berührung signalisierte. Testosteron und Adrenalin schossen in hohen Konzentrationen durch meine Adern. Ich merkte, dass er mich jetzt ansah, spürte seinen warmen Atem an meinem Ohr. Ich öffnete die Augen und wandte ihm das Gesicht zu. Er war so nah, seine dunklen Augen funkelten.
„Als ich fünfzehn war, habe ich einen Jungen geküsst“, sagte er leise, seine Stimme klang heiser. Seine Beichte kam so unerwartet, dass ich die Luft anhielt und nicht wagte weiter zu atmen. „Ich bin damals so sehr über mich selbst erschrocken, dass ich mich von dem Tag an gegen jegliche Anziehungskraft wehrte, die von Männern ausging. Es war oft hart, aber es ist mir immer gelungen.“ Sein Daumen streichelte meine Handfläche unablässig, ich schloss meine Finger um die seinen. „Bis ich dich getroffen habe“, fuhr er fort. „Warum kann ich mich bei dir nicht verstellen? Warum ist es, als würdest du bis ins Tiefste meiner Seele blicken können und sehen, was dort schlummert?“ Er hob die Hand und legte sie an meine Wange. „Noah …“
„Ich … ich weiß es nicht“, antwortete ich wispernd und schluckte hart. Ich wunderte mich, dass ich überhaupt noch fähig war, zu sprechen. Mein hämmerndes Herz musste doch jegliches Geräusch übertönen, oder?
Sein Gesicht näherte sich meinem.
Er hob die Hand und strich mit dem Daumen sanft über meine Unterlippe. Seine Finger zitterten.

Und dann küsste er mich.

Seine Lippen legten sich warm und weich auf meine und ich war heilfroh, dass ich saß, weil meine Knie zu Pudding wurden. Sein Kuss war zuerst etwas schüchtern und auch ich versuchte mich zurückzuhalten. Ich griff vorsichtig in seinen Nacken und zog ihn etwas näher an mich. Unsere Zungen trafen gleichzeitig aufeinander und entzündeten ein Feuerwerk der Gefühle. Wir küssten uns leidenschaftlicher und begannen wie auf Kommando gegenseitig an unseren Klamotten zu zerren. Ich drückte ihn auf das Sofa zurück, er stöhnte leise. Alessandro lag auf dem Rücken, als wir den Kuss lösten, um Luft zu holen. Seine faszinierend dunklen Augen bedachten mich mit Leidenschaft und Begierde. Er streckte die Arme nach mir aus. Ich legte mich vorsichtig über ihn und fiel ungeduldig über seinen schönen Mund her. Alessandro stöhnte erneut auf und schlang ein Bein um meins. Seine Hand tastete unter mein T-Shirt und streichelte meinen nackten Rücken. Oh mein Gott, ich musste träumen, das konnte unmöglich real sein! Ich war bereits so hart, dass meine Hose viel zu eng war und spürte auch seine Erektion deutlich an meinen Lenden. Diesmal war es an mir, lustvoll aufzustöhnen. Ich begann mich auf ihm zu bewegen, küsste seinen Hals und schob sein Shirt nach oben, um seinen Oberkörper zu liebkosen. Als meine Lippen seine Brustwarzen berührten und ich darüber leckte, entfuhr ihm ein Laut, der so sexy war, dass ich beinahe gekommen wäre.
„Noah …“, keuchte er atemlos, während er sein Becken hob und meinen Bewegungen entgegen kam. „Oh, mio dio!“
Wir waren dabei, uns im Strudel der Leidenschaft zu verlieren, ich spürte es. Ich wollte ihm seine Kleider vom Leib reißen, mich zwischen seine Beine drängen und in ihn eindringen. Ich wollte ihn nehmen, bis er vor Ekstase unter mir schrie.

Die Türglocke nahm ich zuerst nur irgendwo in meinem Hinterkopf wahr, doch als es länger und ungeduldiger läutete, zuckte Alessandro zusammen und innerhalb einer Sekunde war der Zauber zerstört. Er sah mich erschrocken an und atmete schwer. Seine Wangen waren gerötet und seine Lippen vom Küssen rosig und geschwollen. Er wirkte verlegen und zugleich wahnsinnig sexy.
„D … der Schlüsseldienst“, stieß er heiser hervor, während er mich an beiden Schultern festhielt und sachte von sich weg schob. Er fuhr auf und flüchtete aus dem Raum. Ich blieb wie erstarrt sitzen und brachte es nicht fertig, aufzustehen. 

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