Montag, 22. April 2013

Leseprobe: Licht und Schatten - Wildes Verlangen

Hallo ihr Lieben!

heute gibt es den Anfang meiner neuen Kurzgeschichte, die demnächst bei Amazon als eBook erscheinen wird. Viel Spaß!


Licht und Schatten - Wildes Verlangen
Fantasy - Gay Romance
von Verena Rank



Wenn die Zeit reif ist und Licht und Schatten einander begegnen, werden sich ihre Seelen vereinen, obgleich der Eine den Auftrag hat, den Anderen zu vernichten. Die Liebe jedoch ist stärker als Hass und Krieg. Gemeinsam wird ihre Macht gewaltiger sein, als jede andere zuvor. Die Herrschafft der Auserwählten wird Völker vereinen und aus der Verbindung wird eine neue Spezies hervorgehen. So ist es vorherbestimmt.

Alle wussten von dieser Prophezeiung. Die Lichtelfen in den Wäldern und die Vampire im finsteren Tal. Unter beiden Völkern gab es diejenigen, die all ihre Hoffnung auf die Auserwählten legten. Sie würden den Krieg endlich beenden und ihre Anhänger in eine neue Welt führen. Andere wiederum waren bereit, alles nur Erdenkliche zu tun, um solch eine Verbindung zu verhindern. Die Herrscher über Licht und Schatten waren seit Anbeginn der Zeit Feinde. Und so sollte es auch für alle Ewigkeiten bleiben …

Die Vampire bewegten sich lautlos und unbemerkt durch den nächtlichen Wald. Dank ihrer übernatürlichen Sinne durchdrangen sie Nebel und Dunkelheit mühelos. Niemand hatte ihre Feinde gewarnt, sie lagen in tiefem Schlaf. Seit Monaten herrschte Waffenstillstand zwischen dem stolzen Elfenvolk und den Geschöpfen der Nacht. Doch dieser Waffenstillstand diente nur einem Zweck: Die Elfen in falscher Sicherheit zu wiegen und ihre Unaufmerksamkeit zu erlangen.

Der Krieg zwischen Licht und Finsternis tobte schon so lange, dass sich niemand mehr erinnern konnte, wann und wie er genau begonnen hatte. Natürlich existierten Mythen darüber. Die Vampire glaubten daran, dass es einst ein mächtiger Lichtelf war, der ihre Spezies zu ewigem Schattendasein verflucht und damit diesen Krieg heraufbeschworen hatte. Bei den Elfen hingegen ging der Mythos um, der erste Vampir, der damals aus seinem finsteren Loch gekrochen war, hätte eine Elfenprinzessin entführt und grausam ermordet.
Wie bei jedem der vielen sinnlosen Kriege ging es um Macht und Vorherrschaft, die jeder für sich alleine beanspruchte. Beide Völker verfügten über herausragende Krieger und große Armeen und so war es bisher keinem gelungen, den anderen zu besiegen.
Die Vampire waren besessen von der Idee, die Elfen als Sklaven und Nahrungsquelle zu besitzen und sie ihren Stolzes zu berauben. Elfenblut war kostbarer als Gold, denn es verlieh unvergängliche Schönheit und steigerte übersinnliche Fähigkeiten. Das Imperium der Vampire, tief unter der Erde, stand der Größe des Elfenreiches in nichts nach. Die dunkle Stadt Horvath war so groß, dass es vier Tagesmärsche brauchte, um sie einmal zu Fuß zu durchqueren. Und von Horvath aus hatten sich die Vampire erneut aufgemacht, die Elfen zu bezwingen …

Derian war ein Schattenprinz und ein Vampirkrieger. Er führte eine der Truppen an, die das südliche Viertel des Lichtwaldes nach Alandor, dem Sohn des Elfenfürsten, absuchten. Sogar nachts war es hier nicht gänzlich finster und so brannte seine Haut, als würden kleine Flammen darauf tanzen. Doch er war fest entschlossen und die Schmerzen waren ein kleines Opfer für den Ruhm, den er erlangen würde, wenn er Alandor seinem Vater, dem Vampirfürsten auslieferte. Sie hatten den Auftrag, den Elfenprinzen mit Gewalt in die dunkle Stadt zu entführen. Dort würde man ihn solange festhalten und foltern, bis das Elfenvolk dazu bereit war, sich den  Vampiren zu unterwerfen und Blutopfer zu bringen.
Derian, Moldror und zwei weitere Vampirkrieger entfernten sich von der Truppe, um nach dem Elfenprinzen zu suchen. Die anderen Vampire sicherten das Gebiet ab. Derian hatte zuvor nicht gewusst, wo sich Alandor befand, es hätte jedes dieser prunkvollen Baumhäuser sein können. Eine plötzliche Eingebung hatte ihn hierher geführt und als er die beiden Wachen entdeckte, bestätigte sie sich. Er nickte Moldror zu, um ihn auf die Wachen aufmerksam zu machen.
„Kümmert euch um die beiden“, wisperte er in die Stille, die sonst nur vom Zirpen der Grillen durchbrochen wurde. Seine drei Begleiter hatten keine Mühe, die halb schlafenden Wachen auszuschalten, während er alleine die hölzerne Wendeltreppe hinauf stieg, die in das Quartier des Elfenprinzen führte. Es war ein starker Sog, der ihn zwang, den Raum zu betreten. Er hatte ihn gefunden, weil es so sein musste.

Derian schloss die Tür, ging um das Bett herum und näherte sich dem schlafenden Elfenprinzen. Alandors Anblick raubte ihm für einen Moment den Atem. Elfen waren bekannt für ihre überirdische Schönheit, doch dieser hier übertraf jegliche Vorstellung. Die Bettdecke, die bis zu seinen Hüften hinunter geglitten war, erlaubte einen Blick auf seinen Oberkörper. Die elfenbeinfarbene Haut war glatt und makellos, darunter zeichneten sich die Muskeln eines Kriegers ab. Goldblondes Haar umspielte das Kissen in sanften Wellen, wie der Ozean den Strand. Derian runzelte die Stirn. Seit er den Raum betreten hatte, war ihm, als wäre er nach einer endlosen Reise durch die ewigen Schatten endlich heimgekehrt. Seine Gedanken und Empfindungen machten sich selbstständig, sein Körper wurde von der Gestalt des Elfenprinzen geradezu magisch angezogen. Das konnte nur ein böser Zauber sein.

Derian versuchte, sich zu konzentrieren und legte die Fingerspitzen an seine pochenden Schläfen. Natürlich spukte ihm sofort die alte Prophezeiung durch den Kopf, doch das war absurd. Niemals … nicht er! Eher würde er sich eigenhändig einen Holzpflock durchs Herz jagen.
Derians Puls raste, als er sich hinunter neigte, um Alandor genauer zu betrachten. Seine langen schwarzen Haare vereinten sich mit den hellen Strähnen auf dem Kissen, als würden sie zusammengehören. In diesem Moment öffneten sich die schönsten Augen, die Derian jemals in seinem unsterblichen Leben erblickt hatte und er ahnte, dass er verloren war. So hatte der Himmel an einem strahlenden Sommertag ausgesehen. Die Erinnerung an längst vergangene Zeiten verursachte einen Stich in seiner Brust. Es war so lange her …

Dieses intensive Saphirblau vernebelte Derians Sinne und beraubte ihn jeglichen Denkvermögens. Seine Unachtsamkeit wurde sogleich bestraft. Plötzlich blitzte etwas Silbernes auf und er fand sich gegen die Wand gedrängt wieder - mit der Spitze einer Klinge an seiner Kehle. Das Absurde war, dass es ihm gar nichts ausmachte, solange er nur weiter in diese atemberaubenden Augen blicken durfte.

Alandor war mit einem Satz aus dem Bett gesprungen, seine Faust hatte den Griff des Schwertes vermutlich in dunkler Vorahnung bereits im Schlaf umklammert.
„Was willst du, Blutsauger?“ Die Schultern des Elfenprinzen bebten. Sein Haar fiel ihm über die nackte Brust und streifte den Bund seiner Stoffhose.
Aus reinem Instinkt heraus versuchte Derian den Elfen auf geistigem Wege zu erreichen, wie es nur Seelengefährten zu tun vermochten.
„Nie hätte ich gedacht, dass ich dich ausgerechnet hier finden würde.“

Alandor zuckte zusammen, seine Augen weiteten sich überrascht und entsetzt zugleich. Einen winzigen Moment wirkte er überwältigt, sprachlos. Doch dann verwandelte sich sein Gesichtsausdruck in Hass und er reckte stolz das Kinn. Die Spitze seines Schwertes drückte sich stärker gegen Derians Kehle.
„Versuch das erst gar nicht. Mich wirst du mit deinem Vampirzauber nicht beeindrucken können.“ Seine Stimme war rein und klar und hallte, als würden sie sich in einem großen Saal befinden. Derian spürte ein Rinnsal seines kalten Blutes an Hals und Brust hinunterlaufen. Entlang seiner Wirbelsäule begann es zu kribbeln, wenn er sich nicht beherrschte, würden seine Flügel ausbrechen. Das würde ihm gerade noch fehlen – dass er mit diesen riesigen, schwarzen Schwingen sein neues Hemd zerfetzte. Derian zwang sich innerlich, Ruhe zu bewahren und straffte die Schultern.

„Und du mich nicht mit deinem Silberschwertchen … Elfenprinz“, erwiderte er spöttisch und offenbarte Alandor fauchend seine Fänge. „Ich habe meine Waffe stets bei mir und ich kann dich damit in Stücke reißen, wenn ich will.“
„Nicht mehr, nachdem ich dein Herz durchbohrt habe“, zischte Alandor zurück, während er den Druck der Klinge verstärkte. Erst jetzt wurde Derian bewusst, wie nahe sie sich waren und was dies in ihm auslöste. Er konnte Alandors Atem an seiner Wange spüren. Diese Augen fesselten ihn so sehr, dass es ihm schwerfiel, sich ihrem Sog zu entziehen. Eine Welle der Erregung durchströmte Derians Körper. Er stieß einen Fluch aus und begann, ungeachtet der Klinge an seiner Kehle, sein Hemd aufzuknöpfen. Der irritierte Blick des Elfen hätte ihn beinahe laut auflachen lassen. Es gelang ihm gerade noch rechtzeitig, das Hemd abzustreifen, als sich seine Schwingen schon ihren Weg durch die Haut brachen. Der Schmerz war kurz, aber intensiv. Derian biss die Zähne aufeinander und knurrte. Seine nachtschwarzen Flügel entfalteten sich mit einem schlagenden Geräusch und überragten seinen Kopf um fast einen Meter. Alandor ließ die Klinge sinken, wich keuchend zurück und starrte ihn ungläubig an.